12. Juni 2024

Aufstehen, Krone richten, weitergehen

So sieht es mal aus. Das eine oder andere Mal haben mir verschiedene Menschen gesagt, dass sie es bewundernswert finden, wie ich mit meiner Krankheit umgehe. Dass ich trotz wiederkehrender schlechter Nachrichten immer noch meinen Humor behalten kann und mich nicht zum Heulen verkrieche, sondern damit sehr offensiv umgehe. Für manche vielleicht auch manchmal zu offen. Natürlich verschlägt es dem einen oder anderen schon mal die Sprache, wenn ich so belanglos erwähne, dass ich Krebs habe. Das kann ich schon gut verstehen, denn „Krebs“ ist dieses eine böse Wort, um das man ebenso gerne einen großen Bogen macht wie um das Wort „Tod“. Ich bin da eher sehr pragmatisch: was habe ich denn für eine Wahl? Aufgeben gilt nicht. Nichts, aber auch wirklich rein gar nichts wird dadurch besser, dass ich in Selbstmitleid verfalle und nur noch ängstlich und traurig bin. Und so heißt es nächste Woche dann wieder „Watt mutt, datt mutt“ und es steht für mich die elfte Operation in dieser Dekade an. Diesmal gönne ich mir sogar ein Zweibettzimmer. Nobel geht die Welt zugrunde.

Und sollte mir selbst mal in einer schwachen Sekunde die Kraft fehlen, dann setzt mich meine liebe Frau wieder auf die Spur – mit eben jenem Pragmatismus, der mir in einigen wenigen Sekunden fehlt. Da wird dann meine Frage „Und was ist, wenn wieder ein Tumor da ist?“ gekontert mit einem „Dann wird eben wieder operiert und dann sehen wir weiter. Punkt.“ Hilft ungemein. Vielen Dank dafür mein Schatz! 🫶🏻

Fortschritte, Fortschritte

Um mal wieder auf ein besseres Thema zu kommen: ich hätte nicht gedacht, wie toll Intervalltraining anschlägt. Die beiden Werte, an denen ich schon seit langem meine allgemeine Fitness ablesen kann, sind der VO2-Max und der Ruhepuls. Sie sind sehr gegensätzlich: je höher der VO2-Max, desto besser. Der Wert sagt ganz grob gesagt aus, wie viel Sauerstoff mit dem Blut transportiert werden kann. Je mehr Sauerstoff, desto fitter. Klar. Beim Ruhepuls ist es anders herum: je niedriger der Wert, umso fitter bin ich. Denn das heißt, dass das Herz kräftig ist und nicht so viele Schläge benötigt, um den Körper mit Blut, Sauerstoff und whatever zu versorgen.

Nun mache ich ja nicht gerade seit kurzer Zeit Ausdauersport, sondern sitze seit mehr als zehn Jahren regelmäßig und lange im Sattel. Stellt sich raus: kurz und intensiver ist besser als lang und ausdauernd oder gar lang und exzessiv. Momentan halte ich noch an meinem Trainingsplan von Garmin fest, bis der durch die OP-Pause durcheinander gewirbelt wird. Neben langen Ausdauer-Einheiten, die dann auch gut und gerne mal zwei Stunden bei sehr moderater Belastung dauern, sind da auch Intervalltrainings bei. Hier fahre ich mich gut 20 Minuten locker ein, um dann in kurzen Intervallen von 30 Sekunden bis 2 Minuten dann intensiver in die Pedale zu treten. Mit ein paar Wiederholungen und leichten Abschnitten zum auflockern dauert so ein Training dann gut 60 Minuten. Danach fühle ich mich (inzwischen) ziemlich fit, zumindest nicht komplett erschöpft.

Und wenn ich mir nun meine VO2-Max und Ruhepuls-Werte ansehe, dann sehe ich da momentan Werte, wie ich sie in den vergangenen zehn Jahren nie gesehen habe. Im letzten Jahr bin ich über 7.000 Kilometer Rad gefahren, mein VO2 hat sich allerdings nicht verändert. Nach drei Wochen Intervallen geht der jetzt ziemlich nach oben. Und mein Ruhepuls? An guten Tagen liegt der inzwischen bei 46 bpm. Das gab es auch noch nie.

Einziges Problem: die Intervalle sind ja minutiös vorgeplant und drinnen auf der Rolle ist es auch kein Problem die Leistung dem jeweiligen Intervall anzupassen. Der Radcomputer gibt das Intervall vor und stellt die zu tretende Wattzahl am Smart-Trainer automatisch ein. Aber wie mache ich das im Sommer draußen in freier Wildbahn? Zum einen: ich werde ohne Leistungsmesser am Fahrrad nie so punktgenau die Intervalle treffen, weil ich mich draußen nur an meiner Herzfrequenz orientieren kann. Heißt: dort kann ich nicht mit einem Leistungsmesser trainieren, weil ich keinen habe. Und wenn das Intervall nun sagt „Dann jag jetzt Deinen Puls mal für 30 Sekunden in den Bereich von 160 – 180 bpm“? Wie soll ich das hinbekommen?

Und vor allem: wie mache ich das, wenn ich draußen auch noch den Straßenverkehr und die Topographie mit einkalkulieren muss? Wenn laut Trainingsplan in einem Moment gerade „Ballern!“ angesagt wäre, ich aber an einer Schranke stehe? (Nicht, dass das oft vorkommen würde…..). Oder wenn ich gerade mal intensiv in die Pedale treten sollte, es aber bergab geht? Und wenn gerade eine Regenerationsphase ist, ich aber eine Steigung hoch muss? Hat da wer Tipps? Kann ja nun nicht für immer drinnen fahren…🤣

Rückschritte, Rückschritte

Ich muss ehrlich zugeben, dass die erneute Diagnose mir einen ziemlichen Dämpfer gegeben hat. Zumindest was mein „Healthy Living“ angeht. Da war ich gerade so richtig drin, hatte neben regelmäßigem Radfahren auch wieder eine gewisse Regelmäßigkeit darin, in das Fitness-Studio zu gehen (zumindest zweimal die Woche, immerhin). Und nach gemachtem Workout stand auch gerne noch mal ein wenig Pilates auf dem Programm. Der Überschwang ist jetzt erst mal vorbei. Während ich noch tapfer am Radfahren festhalte, so lange es geht, hat vieles andere nachgelassen. Vielleicht gehe ich morgen noch mal zum Krafttraining. Aber auch da werden wieder bessere Zeiten kommen. Ganz sicher.

Immerhin habe ich mir eine Sache als kleine Regelmäßigkeit erhalten: wenn ich nach dem Radfahren frisch geduscht habe, gehe ich meistens ins Bett und mache dort in der frühen Nachmittagszeit eine Hypnose. Manchmal nicke ich dabei ein wenig weg, manchmal stehe ich nach einer halben Stunde einfach wieder auf. Zumindest tut es mir gut mich da mal eine halbe Stunde auf meinen Körper und die Atmung zu konzentrieren. Die Hypnosen werde ich dann auch mit ins Krankenhaus nehmen. Schaden kann’s nicht. 😉

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