24. April 2024

Liebes Tagebuch, 29.03.2024

Einige Zeit ist ins Land gegangen seit meines letzten Eintrags. In Sachen Sport ist nicht wirklich viel passiert. Erst in den letzten Tagen konnte ich das Training wieder aufnehmen, denn ich hatte eine ganze Weile mit einer Blasenentzündung zu kämpfen – Nachwehen der letzten OP. Dummerweise habe ich eine ganze Zeit versucht, das selbst in den Griff zu bekommen, da ich nicht schon wieder Antibiotika nehmen wollte. Gerade bei Personen mit meinen Erkrankungen sollte man damit eh vorsichtiger sein. Hinzu kommt, dass ich ja perspektivisch auch weiterhin häufiger mal Operationen haben werde und je häufiger die Antibiotika zum Einsatz kommen, desto weniger wirken sie. Und da kommt dann auch noch hinzu, dass es für Männer bei Blasenentzündung weit weniger Antibiotika gibt als bei Frauen. Nun denn, jetzt bin ich wieder halbwegs fit.

Trari, trara, der Sport ist da!

Was hatte ich mich darauf gefreut endlich wieder im Sattel zu sitzen. Um mich nicht gleich zu überlasten habe ich ganz behutsam mit sanftem Training begonnen. 100 Watt für eine Stunde sollten erst mal reichen. Nachdem ich das ganz gut absolviert hatte, ging es zwei Tage später dann wieder mit Intervalltraining weiter. Und ich war überrascht: dafür, dass ich gerade mal auskuriert war und gut drei Wochen nichts gemacht hatte, habe ich die Intervalle ganz gut geschafft. Zwei Tage später ein anderes Intervalltraining lief genauso erfolgreich. Aber dann kam die gestrige Tour, die mich komplett zerstörte. Aber fangen wir am Anfang an…

Neues Fahrrad – neues Glück

Vor über zehn Jahren habe ich über den Arbeitgeber meiner damaligen Frau ein Jobrad geleast. Mein geliebtes Giant Anyroad konnte meine Frau somit von ihrem moantlichen Gehalt „abstottern“. Inzwischen bietet auch mein Arbeitgeber ein Bike-Leasing an. (Das wird aber auch Zeit, schließlich machen wir Jahr für Jahr die bundesweite Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“). Das Prinzip in Kurzform, für alle, die nicht wissen, was es damit auf sich hat: ich kann über meinen Arbeitgeber ein Fahrrad meiner Wahl leasen. Die monatlichen Leasingraten werden allerdings von meinem Brutto-Gehalt einbehalten. Dadurch ergibt sich ein Vorteil, weil das zu versteuernde Einkommen dadurch kleiner wird. Nach 36 Monaten Laufzeit kann ich entscheiden ob ich das Rad behalten möchte und für einen gewissen Restkaufwert kaufe oder ob ich mir ein neues Fahrrad heraussuche und dieses dann für weitere 36 Monate lease.

Dieses eine musste es sein!

Da ich mich gerade erst im vergangenen Sommer einen weiteren Akku für mein Pedelec gekauft hatte, war für mich klar, dass ich mir kein neues Pedelec kaufen würde. Das macht ja keinen Sinn, wenn man doch gerade erst wieder ordentlich in das alte Rad investiert hat, das zwar inzwischen über 15.000 Kilometer auf dem Buckel hat, aber auch noch einwandfrei funktioniert.

Das Gravel-Bike ist inzwischen ja doch ein wenig in die Jahre gekommen – ebenso wie ich. Mit den Jahren ist der sportliche Anspruch an mich selbst immer mehr der Freude am Fahren an sich gewichen. Es geht für mich nicht mehr so sehr darum, persönliche Bestzeiten zu fahren, sondern es einfach zu genießen, mit dem Rad draußen unterwegs zu sein.

Und so habe ich beschlossen, dass das Gravel-Bike vorerst seinen „Außendienst“ absolviert hat. Es steht in diesem Moment direkt neben meinem Schreibtisch und dient mir als Trainingsgerät im Winter als Indoor-Bike. Und nun habe ich beschlossen, dass ich es wohl einfach hier stehen lassen werde. So kann ich an regnerischen Sommertagen auch ein wenig fahren und ggfs. auch ein wenig mehr Fokus auf das Intervalltraining legen. Denn davon profitiert meine Kondition richtig. Was 100-Kilometer-Touren in den letzten Jahren nicht geschafft haben, schaffen die 60-minütigen Intervalltrainings mit Leichtigkeit: die Kondition steigt, der Ruhepuls sinkt. Verrückt, hätte ich so nie gedacht.

Also sollte es „für draußen“ also ein Fahrrad sein, das vielleicht nicht ganz so sportlich ist. Eher wieder ein Trekking-Bike, mit dem ich auch abseits der asphaltierten Straßen gut voran komme. Und da ich in Sachen Wartung immer sehr faul bin, sollte es keine Kette, sondern einen Riemenantrieb haben. Schön wäre natürlich trotzdem eine gute Bandbreite an Gängen, also wollte ich mich nicht mit der weit verbreiteten 8-Gang-Schaltung zufrieden geben. Eine 11-Gang-Alfine-Schaltung sollte es sein.

Tja, und wenn man mit den Vorgaben „Fahrrad mit Riemenantrieb und 11-Gang-Schaltung“ in Fahrradläden kommt, fühlt man sich schnell wie Indiana Jones auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Der Unterschied: Indy hat den Gral dann ja irgendwann gefunden. Ich hingegen habe auf meine Nachfrage in den Fahrradläden meines Vertrauens nur Schulterzucken und Kopfschütteln als Antwort bekommen. Nur bei einem Fachhändler in Eime wurde ich fündig. Da ich auf meinen Radtouren da sowieso häufig lang komme, habe ich das Rad dann dort bestellt. Gestern war die Abholung.

Jungfernfahrt!

In freudiger Erwartung habe ich das Rad abgeholt. Zwar war die bestellte Parallelogramm-Sattelstütze noch nicht da, aber ich wollte nicht länger warten und wollte das Rad zu den Osterfeiertagen schon mal ein wenig fahren. Gerade auch, weil für das Wochenende gutes Wetter angesagt wurde und ich in diesem Jahr ja noch gar nicht so richtig draußen unterwegs gewesen bin, sondern immer nur im Arbeitszimmer geradelt bin. Es war einfach Zeit – bevor es in zwei Wochen wieder ins Krankenhaus geht.

Was Wetter war so „la la“. Dicke Wolken wechselten sich mit Sonnenschein ab. Pünktlich zur Abrholung näherte sich eine dunkle Regenwand, die dann aber glücklicherweise an uns vorbei gezogen ist. Doch auch so war die Jungfernfahrt schon ziemlich beschwerlich. Als altes Gewohnheitstier habe ich mir für den Rückweg von der Abholung natürlich meine Strecke herausgesucht, die ich sonst auch immer fahre – allerdings eigentlich immer in entgegengesetzter Richtung. Vom Gefühl her hatte ich mit etwas mehr als 15 Kilometern gerechnet. Am Ende waren es dann – oh Wunder – über 27 Kilometer. Hier und da ein kleiner Umweg, um die viel befahrenen Landstraßen zu vermeiden und schon haste 10 Kilometer mehr auf dem Tacho.

Das Rad an sich ist sehr angenehm. Der Riemenantrieb tut was er soll, an das Geräusch der etwas breiteren Reifen muss ich mich erst noch gewöhnen. Und der Sattel muss noch ein wenig nach hinten gestellt werden. Kleinkram. Was ich unterschätzt hatte: der Wind. Zum Glück kam er meistens von hinten, so dass ich zu Beginn einen guten 25er-Schnitt gefahren bin, was sonst so gar nicht meine Art ist (sonst eher so 22 km/h). Aber irgendwann machte die Strecke einen Schlenker und links neben mir war ein offenes Feld, das dem Wind kein Hindernis bot. Da hätte es mich fast vom Rad gefegt und ich musste ein wenig im ersten Gang fahren.

Kaum zuhause angekommen habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, schon mal ein wenig zu „customizen“. 😉

Endlich konnte ich meine 80 € teure Handyhalterung von Peak Design mal an einem Fahrrad montieren. Ist übrigens ebenso eine echte Empfehlung die die dazu gehörige Handyhülle, die mich jeden Tag aufs neue erfreut und ihren Preis absolut wert ist. Außerdem wurde auch die Halterung für meinen kleinen Garmin Edge 130 Plus angebracht. Aber eigentlich müsste ich da eher wieder auf die Halterung für mein Roam setzen. Schließlich will ich zukünftig ja auch mehr Touren abseits meiner bekannten Strecken fahren, da ist ein Radcomputer mit Kartennavigation schon wichtig.

Was für mich das ungewohnteste am neuen Fahrrad war: es hat (noch) keinen Rückspiegel. Wie sehr ich mich inzwischen daran gewöhnt habe, meinen kleinen Spiegel am Lenker zu haben, um den rückwärtigen Verkehr im Auge zu haben. Da fehlt momentan wirklich etwas. Eigentlich wollte ich den Spiegel vom Indoor-Rad nehmen, denn Indoor habe ich ja keinen Verkehr im Nacken. Leider ist das Lenkernnenrohr vom neuen Bike etwas zu schmal, so dass ich einen neuen Spiegel bestellen musste.

Fehlen noch Halterungen für Trinkflaschen und Fahrradschloss sowie das Anpassen meiner Ortlieb-Packtaschen. Dann kann der Spaß richtig losgehen.

Komplette Zerstörung

So gerne ich auch heute unterwegs wäre: heute ist dringener Bedarf nach einem Ruhetag, denn die Tour gestern war richtig, richtig anstrengend. Ich habe mich zu sehr an das Indoor-Fahren gewöhnt: da kann ich die Intensität selbst steuern und wenn ich mich doch mehr anstrengen würde, würde ich fix „ins Leere“ treten, weil das Rad auf weniger Leistung eingestellt ist. Gestern dann bin ich wieder in alte Muster zurück gefallen: immer ordentlich Gas geben, komme was wolle. Das hätte ich mal nicht machen sollen. Meine Garmin hat mir danach 94 Stunden Erholung verordnet. 24 davon nehme ich heute. Aber wenn morgen das Wetter stimmt…;-)

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