Tile Hunting, Part 2 – Ab durch den Saupark

Leider habe ich von einigen meiner letzten Videos keine Blog-Beiträge geschrieben. Vermutlich haben mich die langen Krankheitsphasen ein wenig schreibfaul gemacht. Zumindest meine zweite Tile-Hunting-Tour will ich nun aber doch noch etwas schriftlich festhalten, auch wenn ich in dem zugehörigen Video schon eine ganze Menge erzähle:

https://youtu.be/xGltuhu6oRw

Tile-Hunting – Was ist das?

In einem ersten Video zum Thema habe ich es schon mal ein wenig erklärt, fasse das Prinzip aber gern noch mal kurz zusammen.

Beim Tile-Hunting wird die gesamte Fläche der Erde in Quadrate von gut 1,5 x 1,5 km Seitenlänge eingeteilt. Sinn und Zweck ist es nun, möglichst viele dieser Quadrate „besucht“ zu haben – möglichst durch eigene Muskelkraft, also durch Wandern, Schwimmen oder eben Radfahren.

Und woher wissen die Quadrate, dass ich sie besucht habe? Ganz einfach: viele Sportler weltweit protokollieren ihre Leistungen mit der App Strava. Nicht nur mit der Smartphone-App können Aktivitäten aufgezeichnet werden; auch viele GPS-Uhren oder Radcomputer unterstützen diesen Dienst ohne großen Aufwand. Auch ich nutze Strava seit einigen Jahren (und habe mehrere Jahre vorheriger Aktivitäten mühevoll importiert). Das Gute: Strava ist grundsätzlich kostenlos. In der Bezahl-Version kann man sich zusätzliche Features freischalten, die aber für das Tile-Hunting nicht benötigt werden. Kostenlos ist auch die Seite Statshunters.com. Sie wird mit dem eigenen Strava-Konto verknüpft und bietet umfangreichere Statistik-Funktionen als Strava selbst. Unter anderem werden einem hier auf einer Karte alle bisher besuchten „Tiles“ (Kacheln) angezeigt:

Rot: alle bisher gefahrenen Strecken, rote Quadrate: alle bisher besuchten „Tiles“

Einige werden sich nun fragen: „Und was soll der Mist?“. Nun, Tile-Hunting soll dazu animieren Orte und Regionen zu besuchen, die man sich selbst noch nicht erschlossen hat. So habe auch ich ganz zu Anfang bemerkt, dass ich inzwischen (s. Screenshot) über 2.000 Aktivitäten gespeichert habe, aber dennoch selbst in 5 Kilometern Luftlinie zu meinem Wohnort immer noch Tiles hatte, die ich nie besucht habe. Und wenn mich Tile-Hunting eines gelehrt hat: „Der nächste schöne Ort kann hinter der nächsten Kurve auf dich warten“. Mit Tile-Hunting kann man also seinen eigenen Horizont erweitern.

Eine Sache, die mir dabei sehr wichtig ist: Tile-Hunting ist kein Wettkampf. Es geht nicht darum, sich mit anderen zu messen. Also zumindest mir nicht. Mir geht es darum, neue Touren zu planen, die mich zu Orten bringen, die ich noch nie gesehen habe. Schon auf meinen ersten Touren habe ich damit sehr gute Erfahrungen gemacht und Orte entdeckt, die ich sonst vermutlich nie gesehen hätte. Denn allzu oft fährt man mit dem Rad dann irgendwie doch immer den gleichen Stiefel runter – auf schon lange ausgetrampelten Pfaden.

Das Touren-Planen geht beim Tile-Hunting auch ziemlich einfach: für Chrome/Edge gibt es ein Browser-Plugin, das auf vielen Routenplanern wie etwa Komoot oder Strava automatisch ein Overlay einblenden kann. Somit kann man genau sehen, welche Tiles noch nicht besucht sind und seine Touren entsprechend planen.

Um es nicht noch mehr zu verkomplizieren gebe ich an dieser Stelle an meine lieben YouTube-Kollegen von „Enjoy Your Bike“ ab, die vor kurzem ein längeres Erklärungs-Video gemacht haben. Durch „Enjoy Your Bike“ bin ich übrigens erst auf dieses Thema aufmerksam geworden.

Das Ziel dieser Radtour

Mit dieser Tour wollte ich im Bereich süd-westlich ein paar weiße Flecken meiner persönlichen Landkarte tilgen. Bisher habe ich Waldgebiete ja zumeist gemieden – vor allem wenn sie auch noch hügelig sind. Aber: hilft ja nix…

Links (rot markiert) zu erkennen: mein „Zielgebiet“

Los ging es „unter“ der Marienburg.

Schon hier konnte man die Zeichen des Herbstes sehen:

Kleiner „Cheat“ für’s Tile-Hunting

Um ein „Tile“ auf meiner Karte als „besucht“ zu markieren, muss man nicht durch die gesamte 1,5 x 1,5 km große Kachel fahren. Es reicht, wenn man an einem Rand einfach ein paar Meter hineinfährt. Das machte ich mir beim ersten Tile des Tages auch gleich zunutze: auf dem schlecht befahrbaren Waldweg fährt man allein schon aus Komfort-Gründen nur so weit in den Wald hinein, bis die Grenze der fehlenden Kachel überquert ist. Meine Route bei Komoot hatte ich dementsprechend angepasst. Auf dem Radcomputer sind solche Kapriolen dann als Sackgasse zu finden.

Unwegsames Gelände? Gut, dass man oft nur einen klitzekleinen Teil der jeweiligen Kachel erfahren muss…

Wer Tile-Hunting ohne Routenplaner ganz spontan machen will, dem kann ich für Android die kostenlose App „Explorer helper für VeloViewer“ empfehlen. Hier kann man auf einer Karte genau sehen, auf welchem Tile man sich befindet und ob unbefahrene Tiles in der Nähe sind.

Auch mein nächstes Tile fand sich wieder in einer Art Sackgasse. Hier kann man es auf dem Radcomputer ganz gut erkennen. Von unten kommend geht es erst einmal in Richtung Norden, aber um die Tour dann weiter zu fahren, müsste ich danach dann in Richtung Westen abbiegen:

Nicht verwirren lassen von den grafischen Konstrukten, die durch Sackgassen entstehen

Im Video bin ich an dieser Stelle auch wieder begeistert, dass ich einen Ort gefunden habe, den ich vorher noch nie besucht habe. Was das Gute daran ist: durch diese Tile-Hunting-Touren vergrößert sich ja auch mein „gehirn-internes Streckennetz“ für Fahrten, auf denen ich spontan ohne Navigation unterwegs bin. Heißt: wenn ich mal wieder in der Ecke bin ist es gut zu wissen, dass ich hier einen gut asphaltierten Landwirtschaftsweg vorfinden kann, den ich nach Lust und Laune dann befahren kann. Sieht doch gut aus, oder?

Unvergesslich: die Ruhe des Waldes

Tile-Hunting erschließt einem aber nicht einfach nur neue Orte, sondern kann einem auch dabei helfen, eigene Grenzen zu überwinden. Für mich sind das all die Waldgebiete, die auch noch ein paar Höhenmeter bei uns in der Gegend haben. Ich bin nun mal ein Flachlandradler, der zudem auch gerne auf guter Wegstrecke unterwegs ist. Da komme ich nicht so schnell auf die Idee, über huckelige Waldwege bergauf zu fahren. Sollte ich aber vielleicht öfter mal machen:

Es kann nämlich schon ziemlich schön sein, einfach mal mitten im einsamen Wald anzuhalten, die Geräuschkulisse und die klare Luft zu genießen. Das macht man im Alltag eh zu selten. Und letztlich merkt man dann meist: es war die Mühe echt wert.

From the mountain high…

Gerade auch die Mühe mit den vielen Höhenmetern kann durchaus positiv sein, vor allem wenn man – so wie ich – gerne von einem erhöhten Punkt auf eine schöne Landschaft blickt. Und auch zu diesem Aspekt konnte ich bei dieser Tour ein „Check“-Häkchen setzen:

Die perfekte Bank für eine kleine Pause

Wovor man aber auf keiner Tour so wirklich sicher ist: dass es irgendwo mal nicht so weiter geht, wie es eigentlich geplant war. So bin ich auf dieser Tour ein doch beträchtliches Stück im Wald auf einem steinigen Pfad gefahren, nur um dann zu merken, dass es anscheinend den geplanten weiteren Verlauf der Strecke gar nicht gibt. So habe ich also gut einen Kilometer unwegsame Strecke umsonst gemacht. Naja, nicht umsonst: um eine Erfahrung reicher…🤣

Da hätte eigentlich der Weg hoch gehen müssen – ging er aber nicht

Inzwischen hatte mir der Akku des Rades eine ziemlich geringe Restreichweite angezeigt. Ich war mir unsicher, wie viele Höhenmeter noch am Akku nagen werden oder ob die Kapazität des Akkus so stark von den niedrigen Temperaturen beeinflusst wurde. Entsprechen habe ich dann beschlossen, die geplante 90-Kilometer-Tour ein wenig abzukürzen.

Abenteuer Saupark

Nur noch „fix durch den Saupark Springe“ und dann auf bekannten, flachen Wegen direkt nach Hause. Aber erst einmal wollte der Saupark durchfahren werden. Mir war schon bekannt, dass dieses Gebiet durch eine hohe Steinmauer gesichert ist, also habe ich entsprechend damit gerechnet auch Wildtiere zu sehen. Zum Glück waren die Lebewesen auf den Wegen aber durchweg menschlicher Natur (okay, ein paar Hunde waren auch dabei…). Mir ist also weder ein Reh ins Rad gesprungen (das hatte ich schon mal um Haaresbreite) und mich hat auch keine Wildsau verfolgt. Glück gehabt.

Am Eingang des Sauparks: auf ins Abenteuer!

Diese Kilometer im Saupark haben mir und meinem Rad noch mal so einiges abverlangt. Ich war sehr froh, dass die steilste Strecke der gesamten Tour mit immerhin 19% Steigung für mich zum Glück 19% Gefälle waren. Gut, dass ich da nicht rauf, sondern runter musste. War für die Scheibenbremsen aufreibend genug. Auch andere Stellen waren ziemlich gefährlich: teilweise lag das gefallene Laub in mehreren Schichten auf dem Waldboden, was voller Konzentration bedurfte, um nicht auszurutschen. So richtig Freunde werden der hügelige Wald und ich vermutlich nicht mehr…

Im Hintergrund das Jagdschloss Springe

Als ich dann das Jagdschloss Springe erreicht hatte, war ich wieder auf bekanntem Terrain. Im Video habe ich noch mal ein kleines Fazit meiner zweiten Tile-Hunting-Tour gezogen: das wird nicht die letzte Tour dieser Art bleiben.

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