Pulsuhr und Pulsgurt in der Praxis

Die Songzeile aus der Überschrift kennen vermutlich nur noch die älteren Semester. Nachdem ich letztens schon einen Info-Artikel zum Thema „Puls und Training“ gemacht habe, geht es heute um meine persönlichen Erfahrungen.

Zu allererst: ich bin ein echter Zahlenmensch. Jede Ecke meines Körpers möchte ich gerne in Zahlen ausdrücken. Angefangen beim Körpergewicht über den Ruhepuls bis hin zu Stresslevel und eben der Trainings-Herzfrequenz.

Wie ich ticke, kann vermutlich eine kleine Anekdote gut veranschaulichen, die sich vor einigen Tagen in einem Behandlungszimmer eines Allgemeinmediziners abgespielt hat. Frau Doktor hatte mich bereits in das Behandlungszimmer gerufen, während sie noch in einem anderen Raum beschäftigt war. Als ich vor Langeweile meinen Blick über die Raumausstattung habe schweifen lassen, sind mir in einer Glasvitrine zwei Geräte aufgefallen. Auf beiden waren Zahlen ablesbar. Mein Interesse war geweckt. Zuhause musste ich natürlich mal fix googlen, welche Körperfunktionen man damit denn wohl messen kann. Wie bereits vermutet, waren es zwei Messgeräte für den Blutzucker. Ich musste selbst über mich lachen als ich festgestellt hatte, was für einen Reflex bei mir ein Gerät auslöst, das irgendwelche Körperwerte ermittelt. 😂

Die Anfänge

Im Mai 2009, als ich gerade das Radfahren für mich entdeckt hatte, stand auch schon fest, dass ich nicht einfach nur so drauf los fahren möchte, sondern alles vermessen muss. Im Grunde fing der ganze Statistik-Wahnsinn damit erst an. Natürlich wollte ich wissen, wie weit ich gefahren bin. Und sehr schnell habe ich gemerkt, wie platt ich nach einer Tour bin, wenn ich mich überanstrengt habe. Also habe ich mir eine GPS-Uhr mit Pulsgurt gekauft. Damals war das noch eine Uhr, die ich wirklich nur zum Radfahren getragen habe. Der Akku war noch nicht so stark, aber dafür hatte ich einen ersten groben Überblick über meinen Trainingspuls. Es stellte sich raus, dass ab einem Puls über 140 bpm meine Reserven schnell schwanden. Blieb ich bis auf kurze Spitzen darunter, war alles gut und ich konnte weite Strecken fahren.

Die Blütezeit der Fitness-Uhren

Heutzutage sieht man mich fast gar nicht mehr ohne meinen Fitness-Tracker am Arm. Das treibt dann im Sommer natürlich herrliche Teint-Blüten (siehe links).

Schon seit einigen Jahren bin ich nun treuer Anhänger von Fitness-Uhren. Wobei: so treu bin ich gar nicht.

Anfangs hatte ich eine Garmin, bin dann für einige Jahre zu Fitbit gewechselt – und inzwischen wieder reumütig bei der Vivoactive 4*, einem Gerät von Garmin, gelandet.

Fitbit mag die Daten vielleicht ein wenig hübscher aufbereiten – komplexer und genauer finde ich jedoch die Daten der Garmin. Die misst nun 24 Stunden am Tag meinen Puls. Gerade im Hinblick auf den Ruhepuls kann ich da immer sehr gute Rückschlüsse ziehen.

Der Ruhepuls im Wandel der Zeit

Die Überschrift klingt witzig, oder? Aber gerade in diesem Jahr kann man bei mir sehr gut ablesen, wie sich körperliche Einschränkungen auf den Ruhepuls auswirken. Im Mai hatte ich eine ziemlich schwere OP, die mich nicht nur tagelang ans Krankenhausbett gefesselt hat. Auch in den folgenden Wochen musste ich mich richtig schonen. Achtet in der Grafik man auf den Ruhepuls. Heftig, oder? Liegt er bei mir sonst so um die 60 bpm, so war er in den Tagen nach der OP auf mehr als 80 bpm angestiegen.

Ruhepuls Pulsmessung
Im Mai ging der Ruhepuls ordentlich nach oben

Aber auch ansonsten kann ich vom Ruhepuls so einiges ablesen: bin ich gut im Training, dann geht er runter. Lasse ich das Training hingegen schleifen und mache (notgedrungen) mehrere Wochen lang nichts, dann geht er wieder hoch. Ebenso wenn eine Erkältung im Anmarsch ist. Das erkennt man dann nicht nur an der tropfenden Nase, sondern auch am Ruhepuls, der sprunghaft in die Höhe steigt.

OPs sind Stress pur

Keine Angst, eine richtige Vorstellung meiner aktuellen Fitness-Uhr wird es auch noch geben. Jetzt möchte ich aber erst noch das Augenmerk auf die Stress-Analyse-Funktion richten. Wo wir gerade bei meiner gravierenden OP sind, kann ich auch die Stress-Analyse sehr gut verdeutlichen.

Eigentlich habe ich der Stress-Messung und der sogenannten „Body Battery“ nicht so wirklich viel zugetraut. Anhand einer Analyse der verschiedenen Puls-Arten (Trainingspuls, Erholungspuls, Ruhepuls), der Schlafqualität, der Atemfrequentz und dem Widerstand der Haut wird das aktuelle Stress-Level ermittelt.

Anhand der unten gezeigten Screenshots kann man gut erkennen, wie sehr so eine OP reinhauen kann. Einige Wochen vor der OP hielt sich der Stress in Grenzen. Neun Tage nach der OP (im Krankenhaus hatte ich die Uhr nicht um) ist der Körper komplett am arbeiten. Einzig 1 Minute Pause wird angezeigt, den Rest des Tages – und der Nacht – ist der Körper mit sich selbst beschäftigt. Ich finde diese Grafiken ziemlich beeindruckend, denn eigentlich sind es beides Tage, an denen ich außer Herumliegen nicht wirklich viel gemacht habe. Ähnlich wenig Bewegung und – subjektiv empfunden – ähnlich wenig Stress. Wie es halt so ist wenn man krank geschrieben ist und nur vor der Glotze sitzen kann.

Im April sah die Lage noch ganz entspannt aus: Fast 12 Stunden Pause am Tag – läuft
Im Mai hatte der Körper dann Alarmstufe Rot: nur eine Minute Pause. Heilung ist Schwerstarbeit.

Never mind the Pulsgurt

Mein sportlicher Schwerpunkt liegt beim Radfahren und beim Kraftsport/Funktionstraining. Für das Radfahren ist eine Pulsuhr nur bedingt geeignet. Ich kann mit ihr zwar lange Strecken mit dem eingebauten GPS tracken, ohne Angst um die Akkustärke haben zu müssen. Aber es ist schon ziemlich umständlich immer das Handgelenk drehen zu müssen, um den aktuellen Puls zu sehen. Außerdem gibt es einen weiteren Nachteil, den sich die Uhr mit eigentlich allen der gängigen Pulsuhren teilt: ihre Ungenauigkeit. Zwar misst der optische Sensor grundsätzlich sehr zuverlässig den Puls, bei akuten Anstrengungen (etwa ein plötzlicher steiler Anstieg oder eine kurze Belastungs-Einheit eines HIIT-Trainings) hängt er jedoch immer ein wenig hinterher. Während der Puls gefühlt schon mächtig in die Höhe geht, braucht die Uhr ein wenig Zeit, um das zu bemerken. Wer genauere Werte haben möchte, kommt um die Anschaffung eines Pulsgurtes nicht herum. Dieser misst anhand von zwei Elektroden weitaus genauer.

Radcomputer for the win!

Seit vielen Jahren leistet bei mir ein Pulsgurt von Polar* seinen treuen Dienst. Und weil ich den gemessenen Wert immer vor Augen haben möchte, habe ich mir vor einiger Zeit einen „Roam“-Radcomputer von Wahoo* gekauft. Auch dieser soll hier im Blog noch ausführlich vorgestellt werden. Jetzt ist erst einmal wichtig, dass man sich das Display nach den eigenen Wünschen konfigurieren kann. Und so habe ich zwar diverse Seiten für unterschiedlichste Trainingsdaten – der Puls steht aber immer ganz prominent an oberster Stelle. Das umständliche Handgelenk-Umdrehen entfällt somit.

…und wie ist das in der Praxis?

Aktuell bin ich durch diverse Operationen gerne mal ein wenig aus der Form. Da trifft es sich gut, dass ich inzwischen ein Pedelec mein Eigen nenne. Hier kann ich die Motor-Unterstützung immer dann gut regulieren, wenn der Puls durch die Decke zu gehen droht. Aber auch in Zeiten, in denen ich mit dem normalen Gravelbike meine Touren drehe, achte ich sehr auf meinen Puls. Inzwischen bin ich so fit, dass ich auch längere Strecken mit einem Puls über 150 bpm fahren kann. Aber wenn es gemütlich sein soll, bleibe ich auch gerne unter 140 bpm.

Das Gute ist: irgendwann braucht man eigentlich gar nicht mehr auf die Pulswerte schauen, denn man hat sie irgendwie im Gefühl. Selbst beim Pulsmessen im Krankenhaus lag ich meist nur ein paar Schläge daneben, wenn die Krankenschwester gemessen hat. Aber in der Anfangszeit hilft der Puls vor Augen sehr dabei, die eigene Leistungsfähigkeit einzuschätzen – und sie vor allem nicht zu überschätzen. Irgendwann kommt der Punkt, da hört man dann auf seinen Körper. Doch auch heute noch gibt es Tage, an denen der Puls trotz wenig Anstrengung ordentlich in die Höhe geht. Da bemerke ich vor allem dann, wenn es tags zuvor ein schweres Essen oder gegeben hat.

Und um noch mal zur Pulsuhr zurückzukommen: die wird natürlich auch weiterhin kräftig genutzt, auch wenn auf Radtouren der Puls meist vom Pulsgurt gemessen wird. Wenn ich nur mal eine kleine Runde mit dem Rad drehe oder ich eine gemütliche Ausfahrt mit Freunden mache, da darf es auch mal ohne Pulsgurt in den Sattel gehen. Genauso kommt der Pulsmesser der Uhr bei längeren Spaziergängen oder Wanderungen zum Einsatz. Und beim Krafttraining im Fitness-Studio bietet er mir hauptsächlich einen Richtwert, was die verbrannten Kalorien angeht. Diese werden ja aus der Pulsfrequenz errechnet. Aber das wäre vielleicht noch mal ein Thema für einen weiteren Artikel.

Hat Euch der Artikel gefallen? Habt Ihr Fragen? Meldet Euch gerne in den Kommentaren zu Wort! 😊

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